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UHINI.DE - SÜDTIROL - RADIO BRENNER
----->VIDEO MIT BERND KÜHL (2009) |
Radio
Brenner (später Südtirol 1) ist die Station, die über den längsten
Zeitraum von Südtirol in Richtung Norden sendete - allerdings mit
unterschiedlichem Erfolg und starken Schwankungen bei der
Empfangsqualität. Natürlich kannten die Betreiber die Versuche von
Jo Lüders, mit einem vernünftigen Signal Bayern zu erreichen - und
natürlich wollten sie alles besser machen, als sie 1979/1980 in die
Detail-Planungen einstiegen. "Wir orgeln alles nieder",
lautete denn auch die großspurige Devise von Brenner-Chef Alfred
Scholz, der vor allem den Bayerischen Rundfunk in Bedrängnis bringen
wollte. Doch dieses Vorhaben misslang schon in den ersten beiden
Jahren des finanziell äußerst aufwändigen Sendebetriebs. |

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Will man eine ernsthafte Konkurrenz für öffentlich-rechtliches Radio
darstellen, bedarf es großzügiger finanzieller Mittel und eines
Personalstamms, der sich in Größe und Kompetenz mit den in Bayern
etablierten Stationen zumindest annährend messen kann. Darin
waren sich die Betreiber von Radio Brenner einig. Kein Vergleich also
zu dem reinen Unterhaltungsradio mit einem Minimum an Mitarbeitern,
wie es Jo Lüders mit RBI praktiziert hatte. Die Vorgaben waren
demnach klar: "Radio Brenner" sollte vom Start an 24 Stunden
moderiert sein und auch journalistische Inhalte wie Nachrichten,
Interviews etc. bieten.
Es war ein mutiges Vorhaben, das sich die
Betreiber auf ihre Fahnen geschrieben hatten: der Schweizer
Wirtschaftsanwalt Dr. Rolf Egli, der Techniker Fritz Breitler (ex-RBI),
die Werbeagentur Linnebach-Scholta, der Allkauf-Unternehmer Ackermanns
und die Neue Constantin Film. Musikproduzent Alfred Scholz (Spitzname:
"Millionen Alfred") sorgte als "Projektleiter" dafür,
dass "Radio Brenner" schon Monate vor seinem Start in den Münchner
Zeitungen vollmundig angekündigt wurde. Inhaltlich und auch personell
überschlug man sich mit Sensationsmeldungen: Thomas Gottschalk werde
bei Brenner moderieren, hieß es etwa. Gottschalk sagte zwar ab, dafür
kamen aber der gelernte Koch Bernd Kühl als Programmchef, Waldemar Müller,
Susanne Eick (beide SDR), Dick Dale, Rainer Schauberger, Jürgen Kauer
und noch einige mehr nach Sterzing, um bei der Radio-Revolution mit
von der Partie zu sein. Das "Funkhaus" befand sich in der
Startphase in der Sterzinger Rathausgasse.
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Die
Voraussetzungen schienen also ideal zu sein. Und als es nach einer
Testphase im Mai 1981 mit "Radio Brenner" richtig los ging,
wurden die Hörer vom Programm auch nicht enttäuscht. Doch es gab
wieder mal ein anderes Problem: Obwohl sich die Antenne deutlich
oberhalb der Zirog-Alm (RBI) befand, nämlich auf der ca. 2600 Meter
hohen Flatschspitze, entpuppte sich auch dieser Senderstandort als
mangelhaft. Die Initiatoren waren in der Vorbereitungsphase also offenkundig
"geschönten" Messungen aufgesessen. Auch "Radio
Brenner" erreichte München nur über Spiegelungen. Aber immerhin: Nördlich
und auch westlich der Landeshauptstadt wurde das Signal deutlich besser. So
war die Station in Augsburg und auch in Ingolstadt schwankungsfrei zu
empfangen. Schon nach kürzester Zeit schlug der BR wieder zu und
belegte die Brenner-Frequenz 102,1 Mhz. Man wechselte daraufhin auf
104,05 Mhz.
Trotz dieser
Widrigkeiten erfreute sich das Programm allerdings mangels
Alternativen in Bayern schnell großer Beliebtheit. Die diversen Sendungen
nannten sich unter anderem "Hello Good Morning", "Pop
Shop", "Hörbar", "Relax", "Pop nach der
Penne" oder "Dauerbrenner" und wurden aus technischen
hochwertigen Studios gefahren: EMT-Plattenspieler, Mischpulte und
Bandmaschinen von Studer und Sennheiser-Mikros gehörten zum
Standard-Equipment. Die Investitionen standen allerdings von Beginn an
in keinem Verhältnis zu den Werbeeinnahmen. Bei einer ersten
Bilanz-Prüfung konnte Geschäftsführer Alfred Scholz für Ausgaben
in Höhe von 800.000 DM zudem keine Belege vorweisen. Eine erste Krise
deutete sich demnach bereits nach wenigen Monaten an. Das Team um
Programmchef Bernd Kühl hielt allerdings zunächst noch wacker durch,
sprach sich gegenseitig Mut zu.
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Auch
Walter Wiedenhofer gehörte zum Team von Radio Brenner. Später gründete
er in Lana seine eigene Station "Radio Sonnenschein", die
sich auch heute noch im Burg-
grafenamt großer Beliebtheit erfreut.
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Auch
als mit Dr. Rolf Egli einer der Investoren 1982 ausstieg, machte man
sich keine größeren Sorgen. Dass sich Egli mitnichten aus der
Radioszene Südtirols zurückziehen wollte, sondern lediglich einen
neuen Partner suchte, verkannte man zu diesem Zeitpunkt völlig.
Umso größer dürfte der Schock gewesen sein, als mit Egli als
Investor 1983 "Radio Bavaria" (später Radio M 1) ein überraschendes
Comeback feierte. Radio
Bavaria schickte vom Schwarzenstein im Ahrntal (ca. 3400 m) dank
Sichtverbindung nach München erstmals ein optimales Signal nach
Bayern. In einer Blitzaktion errichteten daraufhin die Techniker von
Radio Brenner ebenfalls auf dem Schwarzenstein eine Antenne und einen
Sender-Container - freilich ohne Genehmigung. Aber nur einen Tag vor
der geplanten Inbetriebnahme versiegelte die Südtiroler
Landesregierung die komplette Anlage. So funkte Radio Brenner weiter
von der Flatschspitze. Da auch der Sendebetrieb von RBI/M 1 nach
wenigen Monaten unterbunden wurde, war man ab Herbst 1983 immerhin
wieder der einzige Südtiroler Sender, der gezielt Richtung Bayern
abstrahlte - zumindest vorübergehend.
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Programmschema 1983)
Nun
folgten aber neue Probleme: Auf die Sendeanlage auf der Flatsch wurden
gleich mehrfach Brandanschläge verübt, was immer wieder zu mehrtägigen
Sendeunterbrechungen führte. Als im Sommer 1984 privates Kabel-Radio
in München startete, verabschiedeten sich zudem einige hochkarätige
Moderatoren aus Sterzing. Auch einige Investoren zogen sich zurück.
Folge: Finanziell und auch personell musste Radio Brenner von diesem
Zeitpunkt an kleinere Brötchen backen. Umso erstaunlicher war es,
dass der große Traum, das Programm vom Schwarzenstein aus nach München
zu senden, im Sommer 1986 doch noch wahr wurde. Gleichzeitig änderte
die Station ihren Namen von "Radio Brenner" in "Südtirol
1".
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| Das
Brenner-Funkhaus in der Sterzinger Ortsmitte |
Bernd
Kühl
im Sendestudio |
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Waldemar
Müller, Kult-Moderator von Radio Brenner, verstarb 2001. Er
war seinerzeit vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart (SDR)
nach Sterzing gekommen und hielt neben Programm-
chef Bernd Kühl am längsten durch.
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Die
Sendeanlage
auf der Flatschspitze |
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