Das musikalische Schimmel-Kabinett



Was der Zahn der Zeit hingegen so anrichten kann, wenn man im Leben recht häufig über die Stränge schlägt, das möchte ich Euch heute mal anhand diverser Beispiele erläutern. Die stammen allesamt aus meiner absolut favorisierten Läster-Ecke: dem Musik-Business. Wir alle kennen ja die Sprüche von Wein, Weib und Gesang. Wenn man sich heute aber mal einige der Protagonisten von früher ansieht, kann man kaum glauben, dass es beim Wein geblieben ist. Herrchen ruft soeben ganz laut "Jägermeister". Genau: Viele Musiker lieben dieses schauderhafte Getränk aus deutschen Landen. Das kann aber wirklich nur Leuten schmecken, die noch nie in ihrem Leben einen herrlichen Kräuterlikör aus Italien probiert haben (ich durfte schon mal am Glas schnuppern). Weiter Favorit der Musiker: irgendeine Misch-Grütze aus Red Bull und etwas Alkoholischem.   

Das also mal zum Thema Getränke. Aber im Musik-Business kommen ja noch allerhand andere Dinge dazu: wenig Schlaf, pausenlose Qualmerei und natürlich Drogen. Suchtprävention wäre eigentlich ein Leichtes, wenn man den gefährdeten Personen nur mal einige Bilder von den Musiker-Idolen früherer Tage zeigen würde. Etwas Abschreckenderes gibt es nicht. Nun werden einige sagen, man sollte über diese Dinge besser den Mantel des Schweigens hüllen ("Jeder wird schließlich mal älter"). Dem muss ich allerdings ganz entschieden widersprechen. So lange die "Rock-Götter" meinen, sich öffentlich zur Schau stellen zu müssen, 'dürfen' sie sich auch meine hämischen Kommentare anhören.

Ian Gillan Noddy Holder Dan McCafferty Peter Frampton Bob Catley Mickey Finn

Schluss nun mit der Theorie, jetzt gehen wir in die Vollen. Und damit begrüße ich als ersten Kandidaten einen gewissen Ian Gillan. Früher rannten dem Sänger von Deep Purple die Mädels reihenweise nach. Wir kannten da sogar mal eine Person aus dem östlichen Bayern, deren ganzes Denken und Handeln sich ausschließlich um Gillan drehte. Der Ian ist Jahrgang 1945, gehört also mittlerweile auch schon zu den Sechzigern. Wenn ich mir allerdings einen Nachbarn von uns ansehe, der bereits auf die 80 zugeht, dann muss ich einfach ganz klar sagen: Irgend was in seinem Leben hat die Rock-Ikone Gillan ziemlich falsch gemacht. Was man so hört, hat er aber nicht nur optisch, sondern auch stimmlich ziemlich abgebaut. Erleben durfte man dies jüngst beim Konzert von Deep Purple in München, dem natürlich auch Frauchen beiwohnte.

Es kommt allerdings gleich noch schlimmer, wenn man bedenkt, dass ein gewisser Noddy Holder ein Jahr jünger ist als Ian Gillan, aber geschätzte 20 Jahre älter aussieht. Der frühere Sänger der Band Slade musiziert zwar nicht mehr öffentlich, scheut sich aber nicht, ab und an dem englischen Fernsehzuschauer als Moderator die Ehre zu erweisen. Nun muss ich mich doch mal erkundigen, ob die britischen TV-Macher dem österreichischen Fernsehen das Konzept des kultigen Seniorenclubs abgekauft haben.   

Achtung, nun geht in die Geisterbahn! Und zwar mit Dan McCafferty von der Band Nazareth ("Love Hurts"). Der Schotte ist ebenso alt wie Noddy Holder, setzt aber optisch noch eine ordentliche Portion an Peinlichkeit drauf. Nun wissen wir ja, dass die Damen und Herren von der Insel ohnehin nur selten über ein ansprechendes Äußeres verfügen. Doch lieber Dan, verrate mir bitte mal, wie man mit etwas über 60 Jahren so elend aussehen kann. Ich schlage Dich auf alle Fälle sofort für die TV-Serie "Waiting For God" vor, die es Anfang der 90er mal im englischen Fernsehen gab. Denn lange kann es bei Dir nicht mehr dauern.

Eigentlich gar nicht so übel sieht ein gewisser Peter Frampton aus. Der allerdings hat sein Äußeres ganz eigenartig verändert. Herrchen erzählt vom blondgelockten, orientierungslos drein blickenden Frampton der Siebziger, der eines der erfolgreichsten Live-Alben aller Zeiten abgeliefert hat. Dabei erfand er damals einen ganz neuen musikalischen Effekt, indem er bei einigen Songs durch eine Art Schlauch sang. Dies scheint dem guten Peter nicht gut getan zu haben. Heute sieht er nämlich selbst aus wie ein Schlauch. Die Locken sind außerdem ab. Und der Blick geht nicht mehr orientierungslos ins Leere, sondern erinnert schon fast an die Mimik bestimmter Personen, die bevorzugt Lokalitäten besuchen, in denen nur Herren verkehren. Sollten wir uns in dem Mädchenschwarm der Siebziger tatsächlich so getäuscht haben? 

Und nun: Bob Catley, Sänger der Formation Magnum. Da er früher bei seinen Konzerten stets einen Riesenventilator auf sich gerichtet hatte, scheint er im Laufe der Jahre ziemlich ausgetrocknet zu sein. Apropos Jahre: Über das wahre Alter des lieben Bob gibt es recht unterschiedliche Angaben. Auch das Internet liefert kein exaktes Geburtsdatum. Bei Wikipedia steht zwar 1947, wir wissen aber alle, dass die Einträge in dieser Datenbank nicht immer ganz korrekt sind. Fazit: Ein eitler Pfau scheint Herr Catley also auch noch zu sein. Dann hätte er besser mal gesünder gelebt in den vergangenen Jahrzehnten. Nun ist eigentlich alles zu spät, nur ein Face-Lifting könnte das Drama vielleicht noch zum Besseren wenden. 

Schon lange beendet ist das Drama um Mickey Finn. Das war der Typ, der bei den Glam-Rockern von T.Rex immer auf die Bongos eindrosch. T.-Rex-Sänger Marc Bolan verstarb ja bereits 1977, Finn hielt immerhin noch bis 2003 durch. Er wurde - und das werdet Ihr jetzt nicht glauben - 56 Jahre alt. Wie bitte? 56? Der Typ sah doch aus wie 90, war ausgemergelt, hatte keine Zähne mehr und redete nur noch wirres Zeug. Meine Herren, was muss der alles eingeschoben waren. Der hat ja den Prozess des natürlichen Alterns um mindestens 50 Prozent beschleunigt. 

Nun gäbe es natürlich noch viele weitere potenzielle Kandidaten für unser Schimmel-Kabinett. Aber ich glaube, die obige Auswahl reicht. Bald gibt es nämlich Fressen. Und wenn ich mir jetzt noch ein paar mehr Bilder dieser Kategorie ansehe, dann schmeckt es mir nicht mehr. Herrchen ruft eben, ihm sei noch etwas aufgefallen. Sämtliche Helden, die ich für unsere Bilder-Galerie auserkoren habe, stammen doch tatsächlich von der Insel. Ich schwöre: Das ist wirklich reiner Zufall. Ich habe das auch eben erst bemerkt. Nun ja: Eine Reise mit einem Vierbeiner nach Großbritannien ist bekannterweise nicht ganz unproblematisch. Vielleicht ist das aber auch besser so. So ist mir in meinem bisherigen Hundeleben zumindest ein Abstecher in die anscheinend größte Geisterbahn der Welt erspart geblieben.