Wo man singt, da lass' Dich ruhig nieder...

Aloha. Nein, ich war nicht auf Hawaii, es war nur mal wieder der Walchensee. Aber die Südsee wäre sowieso nichts für mich. Dort ist es viel zu heiß. Also sind die Ausflüge in Oberbayern schon ganz in Ordnung. Dass es allerdings erneut zum Walchensee ging, hatte gute Gründe. Nicht nur, dass wir uns dort mit Freunden zum Wandern getroffen haben, nein, es musste auch die neue Sehenswürdigkeit schlechthin in Augenschein genommen werden. Wie Ihr vielleicht schon vernommen habt, dreht Michael "Bully" Herbig eine Neuauflage von "Wickie und die starken Männer". Und das Dorf "Flake" entsteht eben am Walchensee, wo es übrigens auch nach Abschluss der Dreharbeiten bleiben wird. Leider durften die Besucher das Dorf nicht betreten, sondern nur auf einem schmalen Pfad zwischen den Hütten durchlaufen. Aber das ändert sich sicher, wenn der Film fertig ist. Dann fahren wir bestimmt noch einmal hin. Aber bitte nicht wieder Donnerstag oder Freitag, wenn das schöne Restaurant Waldschänke Ruhetag hat (Herrchen, wie konnte denn das passieren?).

Dies waren also nun meine einleitenden Worte. Mein eigentliches Thema ist diesmal aber ein ganz anderes. Ob bei Wickie auch viel gesungen wird, weiß ich jetzt gar nicht. Aber es geht ja auch nicht um singende Wikinger, sondern um singende Politiker. Alle voran steht in diesem Falle der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, über den Herrchen meist nichts Gutes zu erzählen weiß.

Da Politik nicht so mein Ding ist, will ich darauf nicht weiter eingehen. Sehr wohl aber auf ein Hobby von Berlusconi. Er singt nämlich für sein Leben gern, früher soll er in seiner Heimat sogar mal ein Schlagerstar gewesen werden. Heute ist er 71 Jahre alt und kann von der Sangeslust nicht lassen. Eine italienische Zeitung wusste jedenfalls zu berichten, dass Silvio zusammen mit dem Sänger Mariano Apicella (noch nie gehört) eine CD mit Liebesliedern aufnimmt. Sämtliche Titel habe Berlusconi geschrieben, heißt es in dem Blatt, das auch noch ein paar Infos aus der Vergangenheit parat hat: "Zuletzt hatte der Hobbysänger 2003 ein Album aufgenommen. Früher war er mit Amore-Gesang von Kreuzfahrtschiffen zu Strandbars getingelt."

Diese Nachricht hat mich natürlich schnell inspiriert. Wie wäre es, wenn auch bei uns in Deutschland mal einige Politiker musikalisch tätig werden würden. Nein, ich denke jetzt nicht an unsere Bundeskanzlerin, die vielleicht eine CD mit Volksliedern aus der Uckermark aufnehmen könnte. Ich denke auch nicht an einen Bundespräsidenten, der mal "Hoch auf dem gelben Wagen" trällerte oder an einen Bayerischen Ministerpräsidenten, aus dessen Reden ein findiger Produzent das Machwerk "Deutschland braucht Bayern" zimmerte (das könnt Ihr übrigens
hier anhören). In einer ruhigen Minute auf unserer Terrasse sind mir ganz andere Ideen zugeflogen. Und damit darf ich sie Euch nun präsentieren: meine ganz persönlichen Top 10 der singenden Politiker aus diesem, unseren Lande.

Platz 10: Helmut Kohl - Der Saumagen

Dass der Ex-Bundeskanzler gerne opulent speist, dürfte bekannt sein. Nun singt bzw. spricht er zu gediegener Hintergrundmusik auch noch seine liebsten Schlemmerlieder. "Den Saumagen, den Saumagen; den könnt' ich jeden Tag vertragen" - das ist eine Ode an Kohls Lieblinsgericht, den "Pfälzer Saumagen". Es folgen das 'Fresslied' von Haindling, 'Aber bitte mit Sahne' (Udo Jürgens) und 'Weil der Schweizer Käs soviel Löcher hat' (Willy Milowitsch). Wer gut speist, muss auch ordentlich durchspülen. Deswegen hat Kohl am Ende seiner CD noch diverse Trinklieder ausgegraben: 'Trink, trink, Brüderlein trink', 'Wein, Wein, Wein, Freunde, schenkt ihn ein' und zum Ausklang
'Schnaps, das war sein letztes Wort'.

Platz 09: Ursula von der Leyen - Das bisschen Haushalt...

Das ist wirklich genial. Hier jubiliert die deutsche Hausfrau, weil ihr bei den Liedern unserer Familienministerin der Abwasch in doppelter Geschwindigkeit von der Hand geht. Neben dem Titelsong, der im Original von Johanna von Koczian stammt, enthält die CD noch Klassiker wie 'Waschsalon' (BAP) oder 'Ihr Kinderlein kommet', den Song aus der General-Werbung (Der General, der General macht alles sauber), 'Meine Neue piept ein Lied' (hier geht es um eine neue Waschmaschine) oder auch das legendäre Suppenkasper-Lied.

Platz 08: Oskar Lafontaine - Am Brunnen vor dem Tore

Für Vierbeiner ist es wichtig, dass immer eine Trinkgelegenheit in der Nähe ist. Und deswegen erfreue ich mich gerne an den feucht-fröhlichen Liedern des Herrn, dem die "Fontäne" namentlich quasi schon in die Wiege gelegt worden ist. 'Wer sehen will zween lebendige Brunnen' stammt beispielsweise aus der Lieder- und Gedichtesammlung 'Des Knaben Wunderhorn'. Nun macht mich das ganze allerdings etwas stutzig. Was ist mit diesem "Wunderhorn" gemeint? Und handelt es sich bei Oskars Fontäne etwa gar nicht um einen Springbrunnen?

Platz 07: Peter Struck - Born To Be Wild

Der passionierte Motorrad-Fahrer Struck lässt endlich mal richtig die Sau raus. Hier lebt die Easy-Rider-Generation wieder voll auf. Nur vom einstmals im Fahrtwind wehenden Haar ist bei unserem Peter nicht mehr viel übrig geblieben. Der Titelsong der Band Steppenwolf ist natürlich Pflicht für jeden Biker, ebenso 'Das muss kesseln' aus dem Werner-Film. Es folgen 'Ace Of Spades' von Motorhead, 'Highway To Hell' von AC/DC, 'Motorcycle Mama' von den Sugarcubes und bedenklicherweise auch 'Hashpipe' von Weezer. Aber das wäre ja nicht der erste Prominente, der sich outet, früher ab und zu mal was 'geraucht' zu haben.

Platz 06: Günther Beckstein - Mein fränkisches Liederbuch

Der Mann ist eben ein echter Patriot und liebt seine Heimat über alles. Dass sich auf dem Album vorwiegend witzige Lieder befinden, lässt erahnen, dass unter der harten Schale des Ministerpräsidenten ein echter Gaudibursch steckt. Auf dem CD-Cover posiert der Günther mit einem Weißbier in der Hand. Los geht es dann auf dem Album recht passend mit der Hymne 'Wäi kumm i denn zu der Haustür nei', die die Rückkehr eines Frankens vom Trinkgelage zum Eigenheim beschreibt. Das Kinderlied 'Bist mei Heinerla' darf ebenso wenig fehlen wie Klassiker der
Nürnberger Peterlesboum (Dej Baa, Simbl o Simbl, Dieses Drum da). Wäre da noch 'Der Huber und sei Lena'. Huber kennen wir. Aber wer ist Lena? Na, wenn da nicht mal ein Skandal droht, denn Erwin Hubers Frau heißt immer noch Helma.

Platz 05: Gabriele Pauli - In Latex und Leder

Wir bleiben in Franken, werden aber eine Spur derber. Seit dem Stoiber-Sturz bleibt man ja von der Fürther Ex-Landrätin in kaum einem Bereich mehr verschont. Kein Wunder also, dass sie jetzt auch singt. Ihre Songs sind humorvoll bis frivol, wobei auch einige Cover-Versions des Duos 'Rosenstolz' herhalten müssen: 'Schlampenfieber', 'Sex im Hotel' oder 'Mittwoch is’ er fällig'. Dass auf letzteren Song sodann Paulis Eigenkomposition 'Günther (wir haben ein Geheimnis)' folgt, lässt Böses vermuten. Wann wird der Günther wohl fällig sein? Auch an einem Mittwoch? Am Ende der CD erklingt dann noch der Song "Endlich frei...", der den Freien Wählern gewidmet ist, für die Pauli nun kandidiert. Mal abwarten, ob die damit glücklich werden.

Platz 04: Edmund Stoiber - Auf de schwäb'sche Eisenbahne

Nein, unser Ex-Landesvater in Bayern plant kein Comeback als Ministerpräsident im benachbarten Baden-Württemberg. Mit der "Eisenbahne" meint er auf seiner CD im übertragenen Sinne den Transrapid ("Sie steigen in den Hauptbahnhof ein"). Aber ein Song macht natürlich noch ein komplettes Album aus. Also interpretiert Ede neben dem Titelsong fröhlich weiter. Highlights: Trans Europa Express (Kraftwerk), I'm A Train (Albert Hammond), Tuff, Tuff, Tuff, die Eisenbahn (Kinderlied) und natürlich 'Le Train D'Amour' (Gilbert Becaud).

Platz 03: Kurt Beck - Ri-ra-ritzelche
 

Der gewichtige Ex-SPD-Vorsitzende liebt seine Pfälzer Heimat. Dieser hat er daher die komplette CD gewidmet. Es beginnt gediegen, nämlich mit 'Ri-ra-ritzelche', einem Lied, mit dem man in der Pfalz Kinder in den Schlaf wiegt. Doch schon ab Track Nummer 2 geht mächtig die Post ab: 'Im größten Fass der Welt' beschreibt die Liebe von Beck und seinen Landsleuten zum Wein. Dann folgt zur Melodie von 'Ein bisschen Frieden' dieser Text: "E Gläsche Milde, e Gläsche Herwe, des kann im Lewe doch nix verderwe; e Gläsche Weiße, e Gläsche Rode, hot mer de Dokter noch nie verbode; Ach wie guud de Rode duut, ach wie dunk ich mer die Schnuut." Klasse, oder? So viel Einfallsreichtum hätte man dem Mann gar nicht zugetraut. Und wer glaubt, bei dem letzten Song 'Ich hab heut Abend wieder Sitzung' ginge es um schnöde Politik, der liegt völlig daneben. Die Sitzung findet nämlich nicht in irgend einem Rathaus statt, sondern natürlich im nächst gelegenen Wirtshaus. Prost Kurti!

Platz 02: Joschka Fischer - Stein um Stein

Für den ehemaligen Bundesaußenminister ist diese CD eine Art Vergangenheitsbewältigung. Wir erinnern uns: Joschka Fischer gehörte zur Szene der Straßenkämpfer im Frankfurter Westend. Mit alten Bildern konfrontiert, bestritt er zunächst, Polizisten verprügelt und Steine geworfen zu haben. Erst als der Mediendruck zu groß wurde, gab Fischer im Januar 2001 zu: 'Was ich getan habe, das will ich Ihnen hier auch klipp und klar sagen. Ich war militant, ich habe mit Steinen geworfen.' Und nun also eine CD mit Rebellen-Liedern. Neben dem Titelsong "Stein um Stein" gibt sich Fischer teils national, teils international: 'Faust auf Faust' (Klaus Lage), 'Talkin’ Bout A Revolution' (Tracy Chapman), 'Rebellen, Rebellen, haben den Tod und den Teufel zu Gesellen (Hans Baumann) oder 'Rebel  Rebel' (David Bowie). Nur bei dem Cover eines Songs der amerikanischen Band "Revolting Cocks" scheint Fischer irgend etwas durcheinander gebracht zu haben.

Platz 01: Horst Seehofer - Wir lassen die Sau raus

Und hier ist er nun, der absolute Spitzenreiter unserer Top 10. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer weiß eben, wo sich seine Wurzeln befinden. Deswegen beglückt er uns mit einer kraftvoll vorgetragenen Auswahl an Stimmungsliedern: vom Bierzelt-Klassiker (In München steht ein Hofbräuhaus) über die Mitbrüller der Neuen Deutschen Welle (Skandal im Sperrbezirk) bis hin zum Ballermann-Hit 'Orange trägt nur die Müllabfuhr', der zur Melodie des Songs 'Go West' von Village People gesungen wird. Doch damit nicht genug: Mit 'In Peru fliegt die Kuh', 'Hörst Du die Regenwürmer husten' und 'Das rote Pferd' sowie der Eigenkomposition 'Wir lassen die Sau raus' (zur Melodie von 'Ich bin ene Vampir' aus dem Polt-Film 'Kehraus') jagt ein Schenkelklopfer den anderen. Und Seehofer vergisst dabei nie seine geliebte Landwirtschaft: Kühe, Pferde, Schweine Regenwürmer - ja, das ist seine Welt. Herzlichen Glückwunsch, Horst.

Trällert Liebeslieder:
Silvio Berlusconi
'Ri-ra-ritzelche'
 intoniert Kurt Beck
Joschka Fischer singt
 'Stein um Stein'
Sorgt für Stimmung:
Horst Seehofer