Toni, der Busfahrer
So eine Busfahrt ist schon eine feine Sache. Ohne Stress kommt man von einem Punkt zum anderen, und ein Bierchen mehr kann man auch schon mal trinken. So sollte es zumindest sein, weswegen sich Herrchen ab und an dazu entschließt, das eigene Auto zu Hause stehen zu lassen. Die Bushaltestelle ist außerdem nur wenige Minuten von unserer Haustüre entfernt. 

Neulich stand mal wieder ein Treffen mit Spezl Christian auf dem Programm. Und Herrchen verfuhr wie eingangs beschrieben. Noch am selben Abend bekam ich dann allerdings eine Geschichte erzählt, die meine Illusion von der bequemen, stressfreien Busfahrt mit einem Schlag völlig zerstört hat. Genau diese Story möchte ich Euch heute erzählen.  

Dazu müsst Ihr allerdings zunächst noch wissen, dass es bei den Treffen mit Spezl Christian häufig etwas später wird. Und wie jeder weiß: Die Omnibusse fahren dann nicht mehr ganz so oft. Herrchen hatte nun von einem bestimmten Lokal aus eine wunderbare Taktik entwickelt, die bisher auch stets funktioniert hat: eine Haltestelle vor der Endstation aus Bus A aussteigen, schnell die Straßenseite wechseln und dann in den schon nach wenigen Sekunden nahenden Bus B einsteigen. Der wiederum fährt fast bis zu uns nach Hause. Wegen einer Straßenbaustelle musste nun Bus A geraume Zeit einen kleinen Umweg fahren, trotzdem ging Herrchens Taktik stets auf. Bis zu jenem Abend vor einigen Wochen...

Nahe der Lokalität, wo das Treffen stattgefunden hatte, kam der Bus pünktlich an. Herrchen stieg ein und freute sich auf eine bequeme Heimfahrt. Doch dann begann der Fahrer plötzlich damit, seine Tasche zu packen. Außerdem blickte er dabei mehrfach hektisch zur Einstiegstür. Und siehe da: Dort tauchte plötzlich ein anderer, schon etwas betagterer Fahrer auf. In der Folge entwickelte sich nachfolgende Szenerie, die man schon fast als Realsatire bezeichnen könnte. 

Busfahrer (in sächsischem Dialekt): Hallo Toni, da bist Du ja endlich.

Toni, der andere Fahrer (in bayerischem Dialekt): Jo, jo.

Busfahrer: Find ich super Toni, dass Du den Rest meiner Schicht übernimmst. Ich hab' nämlich noch was vor.

Toni: Passt scho. 

Busfahrer: Ich bin dann fort. Tschüss.

Die reguläre Abfahrtszeit ist zu diesem Zeitpunkt bereits um 60 Sekunden überschritten.

Toni: Moment noch. Du hast ja noch gar nicht das Übergabeprotokoll ausgefüllt und unterschrieben. Ordnung muss sein.

Busfahrer: Ja, aber schnell. Ich hab es schon eilig. 

Das Protokoll wird ausgefüllt, die Abfahrtszeit ist nun schon um zwei Minuten überschritten. Außerdem steigen neue Fahrgäste ein.

Ein Fahrgast: Wann fahren Sie denn los?

Toni: Normalerweise immer pünktlich. Ha, ha, ha...

Busfahrer: Toni, denk' dran. Da ist ne Umleitung. Du musst erst eine Kreuzung später links. Mach vorher ne Durchsage.

Toni: Ja, passt scho.

Busfahrer: Also noch mal tschüss. 

Der Busfahrer eilt im Laufschritt davon. Toni beginnt nun damit, in aller Seelenruhe diverse Formulare auszufüllen. Mit fünf Minuten Verspätung fährt der Bus schließlich los, die Hinweis-Durchsage wegen der Baustelle lässt Toni unter den Tisch fallen. Nun passiert der Bus die Kreuzung, an der er normalerweise links abbiegt.

Ein Fahrgast (laut brüllend): Halt, Sie fahren ja falsch. Wir müssen hier links.

Toni (über das Mikrofon): Guten Morgen, der Herr. Wegen einer Baustelle fahren wir eine Umleitung.

Bei der nächsten Gelegenheit stoppt Toni den Bus und beginnt mit drei aufgeregten Fahrgästen eine Diskussion über die Umleitung. Nun erlaubt sich Herrchen einen Kommentar.

Herrchen: Könnten wir bitte weiterfahren. Ich möchte nämlich meinen Anschlussbus nicht verpassen.

Toni: Des pack mer scho.

Nun fährt Toni tatsächlich wie der Henker, holt aber die Verspätung nicht mehr rein. Kurz vor der Haltestelle, an der Herrchen aussteigen will, steht der Bus an einer roten Ampel. Und was passiert? Der Anschlussbus fährt vorbei.

Toni: Verreck', der is weg.

Herrchen: Dank Ihrer Trödelei kann ich nun zu Fuß nach Hause gehen.

Toni: Des is doch g'sund. Ha, ha,ha...

Bei seiner Heimkehr nach dem etwa 20-minütigen Fußmarsch war Herrchen aus gutem Grund stinksauer. Frauchen und mir wurde dann auch gleich die Story von Toni erzählt, am nächsten Tag wurde sie per Mail an Spezl Christian geschickt. Der meinte, ich müsste das unbedingt in meine Kolumne packen, was hiermit geschehen ist.
Jetzt muss ich mich aber sputen. Ich hab' nämlich noch was vor. Tschüss.