Das Erfolgsrezept des "Zottel" alias Leslie Mandoki



Weihnachten ist endlich vorbei. Endlich, weil ich nun nicht mehr mit der blöden Zipfelmütze rumlaufen muss. Mit Z wie Zipfelmütze beginnt auch der Name, den ich unserer heutigen Hauptperson gegeben habe: "Zottel". Wahrscheinlich habt ihr schnell erraten, um wen es geht. Auf ausdrücklichen Wunsch meiner zahlreichen Fans beschäftige ich mich noch mal in aller Ausführlichkeit mit einem Herrn namens Leslie Mandoki. Den hatte ich ja schon kurz im Zusammenhang mit der Gottschalk-Show "50 Jahre Rock" erwähnt. Da ist Zottel nämlich Stammgast und jubelt dem ZDF stets eine handverlesene Auswahl an abgehalfterten Musikern unter. Grundsätzlich gilt: Macht der Erfolg Dich nicht mehr froh, dann geh' ins Zottel-Studio.

Leslie Mandoki, der ursprünglich aus dem Gulasch-Land Ungarn kommt, ist Sänger, Schlagzeuger, Komponist und Produzent. Gulasch esse ich übrigens sehr gerne, aber das hat leider nichts mit meiner Geschichte zu tun. Denn hier kommt sie - die alte Garde aus dem Zottel-Paradies: Eric Burdon, Jon Lord, Gary Brooker, Peter Frampton, Jack Bruce und viele mehr. Diese Musiker sind Leslie eigentlich zu großem Dank verpflichtet. Denn durch die Auftritte mit ihm kommt zumindest noch ein klein wenig Kohle in die Kasse. Am meisten profitiert aber - und da bin ich mir ganz sicher - Zottel selbst.
Dank Herrchen ist es mir möglich, das Rad der Zeit um einige Jahrzehnte zurück zu drehen. Ich selbst war nämlich noch gar nicht auf der Welt, als Leslie in den Siebzigern nach Deutschland kam. Zuvor hatte er bereits seine Landsleute musikalisch gequält, nun knüpfte er  hier nahtlos daran an. Er stieß zu der Gruppe "Dschingis Khan", die mit dem gleichnamigen Titel beim "Grand Prix d' Eurovision de la Chanson" (so ein blöder Name) 1979 sogar Vierter wurde. Um Euch zu beweisen, dass der musikalische Anspruch damals auch nicht besser war als heute, hier ein kurzer Textauszug.


Dsching, Dsching, Dschingis Khan!
He Reiter, Ho Reiter, He Reiter, immer weiter!
Dsching, Dsching, Dschingis Khan!
Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder immer wieder!
Lasst noch Wodka holen, hohohoho,
denn wir sind Mongolen, hahahaha,
und der Teufel kriegt uns früh genug!

Spricht man Zottel heute auf diese Zeit an, ist ihm das gar nicht recht. Kann ich durchaus verstehen! Weswegen er dann aber immer noch genau so aussieht wie 1979 (siehe die beiden Bilder), kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Selbst schuld also, dass ihn der Dschingis Khan immer wieder einholt. Heute macht Leslie Mandoki mit seiner Band "Soulmates" nach eigener Einschätzung anspruchsvolle Rockmusik. "Soulmates" heißt übersetzt "Seelenverwandte". Ich vermute mal, dass die Verwandschaft in erster Linie aus dem gemeinsamen Interesse am Geldverdienen besteht. 

Schön für Zottel, dass er sich ausgerechnet in Deutschland befindet. Erstens kann er sich in einem Land, in dem Musik weniger Kulturgut als seichte Unterhaltung ist, als Rock-Kapazität aufspielen (in England oder den USA würde das sicher nicht funktionieren). Zweitens gibt es hier immer noch Medien, die ihm tatsächlich auf den Leim gehen. Allen voran natürlich das gute, alte ZDF. Wobei die Betonung auf "alt" liegt. Das ZDF kämpft seit Jahren erfolglos um jüngere Zuschauer. Da verwundert es auch nicht, dass die Verantworlichen mit der Organisation eines "jungen" Programms wie "50 Jahre Rock" völlig überfordert sind.

Außer den ZDF-Verantwortlichen glaubt wahrscheinlich sowieso keiner, dass die Show ein junges Publikum ansprechen könnte. Warum auch? Denn stets ist die Truppe um Zottel mit von der Partie. Deren Mitglieder begeistern zwar den großen Gottschalk, der feiert allerdings in diesem Jahr seinen 55. Geburtstag. Pustekuchen also mit der Jugend. Ein offenes Geheimnis ist es ja zudem, dass das Musikwissen von Gottschalk über Klassiker wie "Smoke On The Water", "A Whiter Shade Of Pale" oder "House Of The Rising Sun" kaum hinaus reicht. Kein Wunder also, dass ihn Zottel & Co. so beeindrucken. 

Als ich die beiden Rock-Shows mit meiner Familie angesehen habe, hat Herrchen viel geschimpft. Vor allem über Zahlen und Daten, die einfach falsch waren. Bei Frauchen herrschte eher Mitleid vor. Mitleid mit den Altstars, die den Fängen des Leslie Mandoki nie mehr entkommen werden.

So werden diese Altstars genötigt, sich einem deutschen Fernsehpublikum präsentieren zu müssen. Sicher verdienen sie damit ein wenig Geld, aber oft merkt man ihnen an, dass sie sich mit ihren Auftritten selbst quälen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, aus der Zeit der Erfolge etwas mehr Geld in die Gegenwart hinüber zu retten. Dann müssten die einstmals großen Musiker sich heute so etwas nicht mehr antun. Nur einem kann man in dieser Hinsicht keinen Vorwurf machen: Zottel. Die Altstars sind nämlich sein Erfolgsgarant und damit auch seine Einnahmequelle. Vom zugegebenermaßen guten Geschäftsmann Mandoki geschickt eingefädelt, bleibt er so selbst im Gespräch und im Rampenlicht. Denn mal ehrlich: Was wäre unser Freund ohne seine Truppe? Ein ausschließlich im Hintergrund agierender Sänger, Schlagzeuger, Komponist und Produzent (wo er doch das Licht der Öffentlichkeit so liebt) und vor allem auf Lebenszeit ein Erinnerungsstück an eine der wirklich großen Bands aus unserem Lande: Dschingis Khan.