RADIO BAVARIA INTERNATIONAL – WIE ALLES BEGANN                                                                                

von Jürgen von Wedel

Die Geburt einer Idee

Im Jahr 1977 kam ich zum Studium der Elektrotechnik nach München. Doch es sollte alles anders kommen. Nach ca. zwei Semestern lernte ich, natürlich über Funk, Jo Lüders kennen, einen Medienjournalisten, der vor kurzem nach Bayern gezogen war. Er schrieb gerade einen Testbericht über ein CB-Funkgerät, hatte aber technisch damals nicht die große Ahnung. So bat er mich, ihm das zu testende Funkgerät in seinen alten Volksporsche einzubauen. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die nicht zuletzt auf unserem gemeinsamen Interesse an neuer Technik basierte. Jo hatte einige Vorkenntnisse im Radiomachen, da er eine Zeit lang bei Radio Nordsee gearbeitet und danach eine Diskothek in Kolbermoor geleitet hatte. Dieser Funke sprang auch auf mich über, da ich schon früher gerne kleine UKW-Sender gebastelt und damit, natürlich nicht ganz legal, die Nachbarschaft beglückt hatte.

Jo fing parallel zu seiner Journalistentätigkeit damit an, Rundfunksendungen auf Band zu produzieren, um damit deutsche Urlauber in Italien mit deutscher Information und Popmusik zu unterhalten. Diese Cassetten gingen ein- oder zweimal pro Woche per Post oder per Auto an verschiedene private Radiostationen, die in Italien schon seit 1977 erlaubt waren. Eines schönen Tages rief er mich ganz aufgeregt an: Ich müsse sofort in seine Wohnung in der Osterwaldstraße kommen; er bräuchte ganz dringend meine technische Hilfe. Als ich bei ihm angekommen war, bat er mich auf seinen winzigen Südbalkon im neunten Stock. Hier stand sein alter klappriger Grundig-Satellit - trotz allem natürlich einer der empfindlichsten UKW-Tuner, die es damals gab. Was ich da hörte, brachte mich zum Staunen. Zwar mit leichtem Rauschen, aber eindeutig war Jo's eigene Sendung Holiday-Radio zu hören. Schnell stellte sich heraus, dass es die UKW-Frequenz 102,8 MHz von Radio Eisack war, einem Sender, der in Italien Jo's Sendungen ausstrahlte. Nachdem wir uns einigermaßen beruhigt hatten, bat mich Joe, die größtmögliche UKW-Antenne, die ich bekommen könnte, zu organisieren. Auch meine Argumente, dass es sich wahrscheinlich nur um Überreichweiten handelt, wollte er nicht gelten lassen. Also gesagt, getan! Ich besorgte ihm eine 14-Element-Antenne und installierte diese. Zwar war der Balkon jetzt nicht mehr begehbar, aber das Signal lief jetzt fast rauschfrei. Nach zwei Tagen rief ich ihn an in der Annahme, ihn wahrscheinlich trösten zu müssen, weil die Überreichweiten sicherlich vorbei waren. Zu meinem Erstaunen sagte er mir, dass das Signal zwar sehr viel schwächer, aber noch hörbar wäre. Dieses war wohl die Geburtsstunde unseres Planes, selbst Privatradio zu machen. Aber vor uns lag noch ein steiniger Weg.

Freude über Empfang in Innsbruck Die Antenne an der Zirogalm Die Antenne am Enzianlift

Bergsuche und Testantennen

Ich nahm mir erst einmal ein Urlaubssemester, und wir legten los mit unseren Versuchen. Es passte ganz gut, dass ich gerade meine Amateurfunklizenz bestanden hatte, denn die Ausbreitung der Wellen im 2 m-Band sind ähnlich wie bei UKW-Radiofrequenzen. Wir kauften uns bei einem Münchner Amateurfunkgeschäft zwei kleine 2 m-Funkgeräte und einen „Nachbrenner“ mit 75 Watt, zusammen mit einer schnell zusammenlegbaren 2 m-Antenne und einem Teleskopmast. Das war unser Testequipement. Wir fuhren so ziemlich jeden einigermaßen begehbaren Berg in Südtirol an und machten unsere Versuche. Als groben Test suchten wir das Amateurfunkrelais auf der Zugspitze, das uns auch als Kommunikationsmittel zwischen Italien und München diente, denn Handys gab es ja noch nicht. Einer von uns war dann immer in Italien auf den diversen Bergen, und der andere an meiner Hochantenne in München-Schwabing. So konnten wir, auch mit Hilfe von mehreren sehr hilfsbereiten anderen Amateurfunkern, einigermaßen gut die beste Position austesten.

Da wir leider nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügten (meine Familie hatte uns mit ca. 75.000 DM ausgestattet), mussten wir die preiswerteste und trotzdem funktionierende Möglichkeit wählen: das war der Berg Zirog 15 km hinter der österreichischen Grenze. Auch die zwar guten, aber sehr teuren Antennen von Kathrein waren für uns nicht erschwinglich. Ich entschloss mich daraufhin, die Antennen selber zu bauen. Als Vorlage diente eine sehr gute 2×9-Element-WISI-Zirkularantenne für den 2 m-Amateurfunkbereich. Mit Hilfe diverser Antennenbücher (Rothammel) konstruierte ich die Antenne um. Mein Vater war bis zu seinem Tod 1975 Geschäftsführer der Firma Schüco Aluminium in Bielefeld gewesen. Durch meine guten Kontakte kamen wir jetzt so zu einer günstigen Aluminiumquelle. Das komplette Material für alle Antennen kostete mich 600 DM. Ich baute zunächst innerhalb einer Woche eine zerlegbare Testantenne, die wir dann mit Jo's BMW nach Italien brachten. Wir bauten verschiedene Testsituationen auf und stellten sie dann auf die Terrasse des Gasthofes auf dem Berg. Jo hatte in meiner Montagewoche einen 25-Watt-Sender von einer befreundeten Radiostation in Florenz organisiert; und so stand unserem ersten Test nichts mehr im Wege. Ein Autoreverse-Casettenrecorder aus dem gerade eröffneten Media-Markt bot uns die Audioquelle. Wir fuhren jetzt in Richtung Österreich und hörten unser eigenes Signal zum ersten Mal im Autoradio. Ein tolles Gefühl!!! Hoch über den Dächern von Innsbruck stand ein verblüffend gutes Signal und das mit nur 25 Watt.

Es wird offiziell

Jetzt mussten wir die ganze Sache auf eine sichere Basis stellen, das heißt eine GmbH in Italien gründen und einen Namen finden. Wir hatten diverse Namen in der Auswahl, wie z.B. "Bayern Radio" oder "Brenner Musik", aber im Endeffekt sollte der Name unser Zielgebiet beinhalten und trotzdem unsere Internationalität ausdrücken, da wir ja in Italien sendeten. Somit kamen wir eigentlich erst eine Woche vor der Gründung auf unseren Namen: RADIO BAVARIA INTERNATIONAL, kurz RBI. Am 16. Mai 1979 war es dann soweit. Wir hatten einen Notartermin in Bozen und gründeten zu jeweils 50 % unsere GmbH. Sie wurde im Handelsregister Bozen eingetragen, wo die Daten heute noch abgerufen werden können. Jetzt waren wir eine offizielle Radiostation. Wir füllten die offizielle "Carta Bolata" aus, in der wir unser Anfangsequipement, Sendefrequenz und Sendersitz anmeldeten. 

Unser erster Sitz war im Hotel "Olympia" am Brenner, in dem wir ein Studio in einem der Gästezimmer einrichteten. Bezahlt werden sollte das zum großen Teil schon durch unsere Werbung für dieses "tolle Hotel". Da wir natürlich auch Innsbruck erreichten, war das für das Hotel interessant. Oben auf dem Zirog sprachen wir mit dem Besitzer Peter Seidner ab, wo die Antenne stehen sollte und wie die Stromversorgung gelegt werden musste. Glücklicherweise wurde gerade auf einem benachbarten Berg ein alter Skilift abgebaut, und wir bekamen so zum Schrottpreis einen ca. 10 m hohen Skiliftmast. Nun trennten sich Jo's und meine Aufgaben für ca. eineinhalb Monate. Ich fuhr nach Norddeutschland, um bei Schüco die acht Zirkularantennen zu bauen, und Jo beaufsichtigte die Arbeiten zur Mastaufstellung auf dem Berg. Außerdem organisierte er in Florenz die Herstellung unserer Rundfunksender. Die Sender wurden von einer kleinen Elektronikfirma (Kelma Firenze) in Handarbeit hergestellt, denn das war immer noch billiger als wenn wir sie von Rohde & Schwarz bezogen hätten. Radio One in Florenz, mit dessen Besitzer Jo gut befreundet war, lieferte dann auch das erste Studioequipement, u. a. einen 8-Track-Player mit Magnetstreifen für Jingles. Wir hatten zu dieser Zeit ja nur ein Mischpult von RIM-Electronic, zwei Technics-Plattenspieler und den besagten Autoreverse-Recorder. Ein Freund von Jo aus Rosenheim war Schreiner und zimmerte uns das erste Studio zusammen. Wir wussten natürlich auch, dass so ein Studio für einen guten Klang abgedämmt werden muss. Aber, was soll ich sagen, auch das kostet natürlich Geld, was wie immer sehr klamm war; also verwendeten wir als Dämmung Glasfasermatten aus dem Baumarkt mit dem Effekt, dass es immer ziemlich juckte, wenn wir im Studio saßen. 

Als ich mit dem Bau der Antennen fertig war (jeder Dipol wurde von Hand gebogen), musste ich einen Lkw mieten und die Sachen nach Südtirol schaffen. Nach ca. drei Tagen am Zoll, wo ich die Zöllner davon überzeugen musste, dass daraus ein "einfacher Zaun" gebaut werden sollte, schaffte ich es endlich, auf den Berg zu kommen. Netterweise stellte mir der Bauer einen Stall zur Verfügung, in dem ich die Antennen zusammenbauen konnte. Das war wichtig, denn mittlerweile fiel schon der erste Schnee, und wir wollten unbedingt noch vor dem richtigen Winter auf Sendung gehen. Jo hatte inzwischen die aufregenden Arbeiten auf dem Berg überwacht. Auf sehr abenteuerliche Weise war der Mast mit einem Umlenkmast und einem Unimog in das Fundament gezogen worden. Das erste Drahtseil war zu dünn gewesen und riss, woraufhin der Unimog mit Peter in einem Wahnsinnstempo den Berg herunter raste. Glücklicherweise brachte er ihn aber gerade noch rechtzeitig zum Stillstand. Das zweite Seil hielt, und der Mast saß perfekt. Mit einer Leiter und einem Schweißgerät machte ich mich dann mit Unterstützung des örtlichen Schlossers daran, die Antennenhalterungen an den Mast zu schweißen. Ein abenteuerlicher Job! Stück für Stück wurden jetzt die Antennen angebracht und verschraubt. Ein weiteres Problem war die Verschaltung der Antennen miteinander (Stichwort SWR-Schwankungen). Und dann galt es natürlich auch noch ein Senderhäuschen zu finden, das bezahlbar war. Wir entschieden uns für ein kleines Aluminiumhäuschen wie man es als "stilles Örtchen" auch auf Baustellen findet. Das passte einwandfrei. Im Studio hatte ich mittlerweile einen 25-Watt-Sender installiert und eine Antenne auf dem Dach angebracht. Diese Antenne richtete ich auf den Berg aus, um so ein Einspeisesignal zu haben. Nach vielen Tests schafften wir es, auf dem Berg ein Stehwellenverhältnis von 1:1,3 zu realisieren. Inzwischen waren auch unser Driver-Sender und die erste Endstufe mit 500 Watt angekommen. Nach weiteren Abstimmungsarbeiten hatten wir dann endlich die Antennenanlage aktiviert. Im Häuschen stellte ich einen Frequency-Lock-Receiver auf die Studiofrequenz ein und speiste das Audiosignal in unseren Bergsender. Auf der Frequenz 103,5 MHz gingen wir dann erstmals auf Sendung. Das Signal in Innsbruck war spitze und somit hatten wir unsere ersten Hörer.

Fans, DJs und kleine Störungen

Kaum waren wir die ersten Wochen auf Sendung, kamen die Carabinieri, um uns mitzuteilen, dass eine gewerbliche Nutzung von Hotelräumen nicht erlaubt wäre (schade, dass unsere rote On-Air-Lampe so falsch verstanden wurde). Wir suchten also verzweifelt den Ort Brenner ab und wurden in einem Kleidergeschäft fündig. Der Besitzer, Herr Tedoldi, hatte einen Lagerraum, in dem das blanke Chaos herrschte. Er bot uns an, dort bis auf weiteres unser Studio betreiben zu können, wenn wir den Raum aufräumen und den Schrott entsorgen würden. Etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren, denn hier unten konnten wir zu jeder Tages- und Nachtzeit so laut sein wie wir wollten. Das war sicherlich auch ein Grund, warum es den Hotelbesitzern ganz recht war, dass wir auszogen. Wir mussten nämlich teilweise auf Socken über den Hotelflur gehen, damit wir die Hotelgäste nicht stören. 

Die Studioantenne war in kürzester Zeit auf dem Dach installiert, und wir konnten ungestört senden. Jetzt endlich bekamen wir auch unseren Telefonanschluss – nach nur acht Wochen!!! So langsam kam also Radiofieber auf. Die ersten Hörer riefen an, leider zumeist nur aus Innsbruck, da es mit dem Empfang in München nicht so rosig aussah; aber dazu später. Direkt im Ort wohnten zwei 16-jährige Schüler, die uns relativ bald ansprachen (Werner und Gerhard). Sie waren so begeistert, dass sie sofort anboten, für uns Nonstopmusik zu produzieren und das ganze kostenlos. Somit hatten wir unsere ersten DJs. Fast zur gleichen Zeit kam Carlo, der in Sterzing wohnte und unser bester Mix-DJ wurde. Plattenmäßig wurden wir übrigens dank Jo's Verbindungen von diversen Plattenfirmen in Deutschland und sogar von einer aus Kanada kostenlos bemustert. Ja, das ging damals noch ohne Probleme!
Leider traten aber immer mehr Schwierigkeiten mit der Zusammenschaltung der 16 Antennenebenen auf, was sich auch in einem "sanften Knistern" bemerkbar machte. Dies trat speziell nach der Aufstockung unser Sendeleistung auf 1.000 Watt auf. Auch war das kleine Klohäuschen (für den Bergsender) anscheinend nicht die beste Wahl. Der Schnee war hartnäckig und kroch gerne mal in die Ritzen. Etwas Abhilfe brachte ein komplettes Auskleiden mit Styropor und Montageschaum.

Ein unerwarteter Zwischenfall erreichte mich, als ich wieder ein Mal von Innsbruck zum Brenner fuhr. Im Autoradio lief natürlich RBI mit Carlo. Plötzlich hörte ich eine Kinderstimme: "Hallo, kannst du mich hören? Ich stehe gerade neben dieser Riesenantenne." Ich fuhr fast in den Graben neben der Brenner-Staatsstrasse. Ca. 15 Minuten später war ich am Lift und fuhr sofort hoch auf den Berg. Im Kofferradio ging diese tolle Unterhaltung die ganze Zeit weiter. Als ich an unserer Antenne ankam, saß ein ca. 12-jähriger Junge auf einem Schlitten, auf seinem Schoß eine Zigarrenkiste mit einem kleinen Selbstbausender. In ca. 20 m Entfernung stand sein Freund mit einem Kofferradio. Zufälligerweise waren die beiden beim Spielen auf unsere Studioeingabefrequenz gekommen. Und da sie direkt neben der Empfangsantenne standen, waren sie natürlich stärker. Nach einigen Erklärungen, in denen ich ihnen klar machte, dass sie rauschfrei in ganz Innsbruck zu hören waren, schalteten sie den Sender natürlich wieder aus, und Carlo war bestens zu hören. Wir verstärkten daraufhin unser Studiosignal und brachten die Empfangsantenne an einem besseren Ort an. Natürlich war uns klar, dass wir schnellstens auf UHF wechseln mussten. 

Da wir in Innsbruck und Umgebung unsere Fangemeinde immer größer wurde, begann Jo, diverse örtliche Diskotheken in Österreich anzusprechen. Mit den Besitzern verabredeten wir, kostenlos Werbung zu machen, wenn wir im Gegenzug dafür an einem Abend in der Woche, meistens donnerstags, unseren Top-50-Countdown bei ihnen produzierten könnten. Die Sendung wurde dann jeweils am Freitag und Samstag ausgestrahlt. Schnell sprach sich diese Aktion herum und wurde der absolute Renner. So bekamen wir weitere neue DJs, die auch moderierte Sendungen für uns produzieren konnten. Der erste in dieser Riege war Ronnie Prinz. Er hatte eine aufregende rauchige Stimme und wurde schnell, neben Joe natürlich, unser beliebtester DJ.

Größer, höher, weiter

Es war zwar toll, dass unser Erfolg in Innsbruck so riesig war, aber in unserem eigentlichen Zielgebiet München war der Empfang nur bedingt gut. Durch die Berge hinter Innsbruck wurde das Signal teilweise abgeblockt und auch gespiegelt. Daher hatten wir eigentlich an die zirkulare Polarisation gedacht. Bedingt funktionierte das zwar schon - wir waren im Westen von München sehr viel besser zu empfangen als in der City - aber natürlich gab es keinen Empfang im Auto. Das Frühjahr hatte gerade angefangen, da hatten wir die Idee, einen Mast auf einem höheren Punkt zu testen. Es bot sich hierfür das Ende der Enzianseilbahn an. Hier war ein perfektes Betonfundament für die Umlenkrolle des Liftes vorhanden. Wir ließen uns bei unserem Schlosser einen Mast herstellen, der zwei unserer Zirkularantennen tragen konnte. Jetzt stellte sich natürlich die Frage, wie man hier den Sender mit Strom versorgen sollte. Ich setzte mich mit einem Elektrogroßhändler in München in Verbindung, und nach zähen Verhandlungen bestellten wir zwei Kabeltrommeln mit jeweils 400 m Stromleitung mit einem Aderdurchmesser von jeweils 10 mm. Das sollte unserer Berechnung nach für unseren 1-kW-Sender ausreichen. Zwischenzeitlich hatten wir einen neuen DJ bekommen, der zweckmäßigerweise Radio- und Fernsehtechniker war. Ein Glücksgriff! Fredy Leitner dachte sich in so ziemlich jedes Problem schnellstens rein und war eine sehr große Hilfe für mich. Er war außerdem DJ der größten Diskothek in Sterzing und versorgte uns mit Scheiben, an die Jo nicht herankam. 

Als nun das Kabel ankam, war Freddy sofort zur Stelle, um zu helfen. Trotzdem stellte sich die Frage: "Wie sollen wir dieses bleischwere Kabel zum Sendepunkt ziehen?" Jetzt kam wieder der Almbesitzer Peter Seidner ins Gespräch. Die Skisaison war ja gerade vorbei, so kam er auf die Idee, den Lift für diese Arbeit einzusetzen. Wir montierten zwei Schlepplifthaken an das Seil, und langsam aber stetig wurde das Kabel auf den Berg gezogen - direkt unter dem Lift (das sollte uns später noch zum Verhängnis werden). Nach diesem Gewaltakt musste ich nur noch die beiden Kabel miteinander verbinden und unten im Skilifthäuschen anschließen. Den Belastungstest machten wir, nicht ganz so professionell, mit einem 2.000-Watt-Heizlüfter, der bestens funktionierte. Jetzt installierte ich zwei Antennen von unten auf dem oberen Mast. Mit unserem 25-Watt-Testsender sendeten wir ein Signal nach Norden. Kurz darauf riefen wir von der Zirogalm Ronnie an, der uns bestätigte, dass auf der neuen Frequenz ein sehr sauberes und störungsfreies Signal in Innsbruck ankam. Test bestanden!

Weniger Freude bereitete uns allerdings das bereits erwähnte Stromkabel: Wir hatten zwar einen guten Pegel, aber als der Winter wieder einsetzte, sollte sich der Leichtsinn mit dem lose verlegten Kabel unter der Seilbahn rächen. Die Schneekatzen fuhren natürlich wieder und genau diese zerrissen uns das Stromkabel auf dem Weg, der unter dem Lift entlang führte. Ich stellte mich also mit der Spitzhacke hin und verlegte das reparierte Kabel zumindest auf der Höhe des Weges unter die Erde. Diese Aktion dauerte ca. fünf bis sechs Stunden. Das sollte mir für die Zukunft eine Lehre sein. 

Jetzt war allerdings weitere Schwerstarbeit angesagt. Wir ließen einen Notsender (den ersten 500-Watt-Sender) auf dem alten Mast mit vier Antennen laufen und bauten den 1000-Watt-Sender ab. In schönster Handarbeit zogen Freddy, Carlo, Joe, Peter und ich -natürlich mit einem großen Schlitten - den Sender und das Sendehäuschen über die letzten verbliebenen Schneefelder auf den Berg. Nachdem wir das Häuschen und den Sender installiert hatten, kam der große Moment. Die Stromspannung passte einwandfrei und der Sender lief sauber. Jetzt kam die Testfahrt. In Innsbruck war das Signal natürlich bestens, jetzt war aber auch in München ein besseres Signal vorhanden. Die Dachantennen in Schwabing hatten endlich guten Empfang. Auch wenn es im Auto nicht perfekt lief, konnte man uns hören, wenn man wollte. Im Westen von München war das Signal im Auto jetzt fast rauschfrei. Also mussten wir nun die Werbetrommel rühren. In einem kleinen Lokal in Schwabing (dem Momento in der Nordendstraße) lernte ich einen UKW-Freak kennen. Der Besitzer Mike Knödgen hatte früher mal für Radio Free Europe (RFE) gearbeitet und schon von unserem Sender gehört. Er war so begeistert, dass er mir erlaubte, auf das Haus eine UKW-Antenne zu setzen. Somit war dieses Lokal der erste öffentliche Punkt, an dem unser Signal durchgehend lief.

Ohne Werbeeinnahmen läuft nichts…

Mittlerweile war das Studio viel zu klein für unsere Anforderungen; darum suchten wir nach neuen Räumlichkeiten. Im Ort Brenner gab es keine Möglichkeiten und so dachten wir an Sterzing, das ja auch relativ schnell zu erreichen war. Ein Händler aus dem Ort Brenner baute gerade ein neues Haus, und das Erdgeschossappartement war noch frei. Ein sehr großer und ein kleiner Raum waren absolut ausreichend. Jo's Schreiner kam wieder zum Einsatz und zimmerte uns (welch Luxus!) zwei Studios zusammen. Jetzt hatten wir auch endlich die Möglichkeit, relativ aktuelle Nachrichten zu senden. Von Vorteil war dabei, dass gerade die deutschen und österreichischen TV-Sender mit der Übertragung von Videotext-Angeboten anfingen, die wir kurzerhand für unsere News übernahmen. Der Empfang der deutschsprachigen Programme war dank der RAS (Antennenumsetzer auf dem Berg Hühnerspiel) in Sterzing möglich.

Weniger Freude bereitete uns allerdings das bereits erwähnte Stromkabel: Wir hatten zwar einen guten Pegel, aber als der Winter wieder einsetzte, sollte sich der Leichtsinn mit dem lose verlegten Kabel unter der Seilbahn rächen. Die Schneekatzen fuhren natürlich wieder und genau diese zerrissen uns das Stromkabel auf dem Weg, der unter dem Lift entlang führte. Ich stellte mich also mit der Spitzhacke hin und verlegte das reparierte Kabel zumindest auf der Höhe des Weges unter die Erde. Diese Aktion dauerte ca. fünf bis sechs Stunden. Das sollte mir für die Zukunft eine Lehre sein. 

Nachdem wir auf der anderen Bergseite in Flanes (ein Ort mit nur ca. fünf Häusern) bei einem Bauern einen zweiten Sender errichtet hatten, versorgte der nun wieder unseren Sender auf dem Berg. Eine direkte Versorgung war leider wegen des Bergs Hühnerspiel, der uns im Wege stand, nicht möglich. Die neuen Studios waren hingegen super. Endlich waren wir wieder in einem Ort, wo man auch noch mehr als nur Radio machen konnte. Jetzt konnten wir auch noch einen weiteren DJ einstellen, der sich bei uns gemeldet hatte. Es war Axel Ricken aus Aachen. Er war ein Radiomann mit Leib und Seele. Auch wenn wir ihm am Anfang wirklich keine traumhafte Gage zahlen konnten, war er genau der Freak, den wir brauchten. Er verstand sich prächtig mit Freddy, und das freute nicht zuletzt die Damenwelt in Sterzing. 

Leider sprudelte unsere Einnahmequelle Werbung immer noch nicht übermäßig stark. Deshalb versuchten wir, einen Werbefachmann aus München zu engagieren. Karl Heinz Wieder sollte für die nötigen Einnahmen sorgen. Aber leider hatte er keinen allzu guten Start. Zur selben Zeit startete nämlich Radio Brenner von der Flatschspitze. Zwar wurde auch hier nur mit Wasser gekocht, aber dort hatte man sehr viel mehr Geld zur Verfügung als wir. Der Chef Alfred Scholz war ein Sprücheklopfer und sein berühmter Satz "Wenn ich den Sender auf der Flatschspitze einschalte, wackelt in Hamburg der Michel, und wir werden sogar in der Tiefgarage des BR zu hören sein", entsprachen bei weitem nicht dem Erfolg. Der eigentliche Kopf und die Seele von Radio Brenner war Berni Kühl, ohne dessen Einsatz der Sender wahrscheinlich noch schneller wieder verschwunden wäre als wir. Leider war aber das Ende für RBI somit vorerst eingeläutet, und ich ging, schweren Herzens zurück zum Studium nach München. Dass mit dem Schwarzenstein ein neues Kapitel für RBI schon bald beginnen sollte, konnte da noch niemand ahnen.

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